ekelhaftgeht sosolide Hausmannskostgehobene Küche3 Sterne Rezept
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Speziell im Foodbereich gilt: Qualität vor Quantität und so drängen viele neue Sorten, die uns zu Teil unverschämten Preisen das Qualitätsversprechen geben, auf den Markt. Ich habe mit stellvertretend Wagyu - Fleisch gekauft und einem Vergleich zu "normalem" Rind unterzogen. Hier mein Fazit.

Wie schon erwähnt, sollte die Qualität eines Produktes über der Quantität von selbigem stehen. Ist es doch nicht das “Was wir essen“, sondern das “Wieviel wir wovon essen” was uns teils krankmacht oder unsere Hüften runder erscheinen lässt.

Wagyu oder nicht Wagyu - That is the question

Und so drängen Marken bzw. neue (alte) Rassen auf den Markt, die uns zum Einen mehr Qualität, mehr Geschmack und / oder etwas für unsere Gesundheit zu tun und zum Anderen noch viele andere Dinge versprechen. Zumeist erkauft man sich dies mit unverschämt hohen Preisen und so kommt es vor dem Kauf schon zur ersten Unsicherheit:

Schmeckt das überhaupt?

Aus diesem Grund habe ich mir die Nutztierrasse “Wagyu”, die genau den aufgezählten Punkten entspricht, mal näher angesehen.

Wer oder was ist Wagyu?

Wagyu ist eine japanische Rinderrasse, die über die Jahrhunderte kaum bis gar nicht mit anderen Rassen gekreuzt wurde und somit noch dem ursprünglichen Tier entspricht. Es handelt sich dabei um das teuerste Hausrind der Welt. Es zeichnet sich durch seine besonders langsame Mast, feine Fettmaserung im Fleisch anstatt punktuelle Einlagerung, auf und enthält um bis zu 50% mehr an ungesättigten Fettsäuren als vergleichbares Fleisch.

So viel zur grauen Theorie, die im Prinzip auch niemanden interessiert. Es geht uns doch vorallem um den Geschmack!

So ziemlich jeder, der Kochshows im Tv sich zu Gemüte führt oder kochafin ist, der kennt die allseits gepriesenen Steaks des Wagyu – Rinds, da diese einem ja förmlich in jeder (gefühlt) zweiten Darbieten den Mund wässrig machen sollen. Sie kosten aber auch ein Schweinegeld! So zahlt man für ein Porterhouse – Steak ab 90€. Und das schon im Einkauf!

Familie Mampf-Schluck braucht hier also schon mal 400€ nur für das Fleisch. Wer kann und will, außer einmal im Leben, sich das leisten? Diese Frage beantwortet sich von selbst! Also suchen wir nach Alternativen im Sektor, wie ich es nenne, “Gebrauchsfleisch” (Schnitzel-, Gulasch-, Braten- & Kochfleisch als Beispiel)

Hier habe ich auf der Webseite des WagyuHof Mostviertel, der sich in meiner Nähe befindet, etwas gestöbert und mich für Gulaschfleisch und Ossobuco entschieden, da diese noch im “bezahlbaren” Bereich angesiedelt sind.

ALS PREISVERGLEICH

Wagyu – Gulasch ab ~ 26€ / kg -> herkömmlich (im Angebot) ab 4,99€ /kg

Wagyu – Ossobuco ab ~ 24€/kg -> herkömmlich ab ~ 8€/kg

Wir sprechen hier also von Faktor 1:3 bis Faktor 1:5 pro Kilogramm!

Wagyu Gulasch vs. normales Gulasch

Wagyu Gulasch vs normales Gulasch

Links Wagyu, Rechts “normale” Kuh. Hättest Du es sofort erkannt? Ich gebe aber zu, dass dies auf Fotos teilweise nicht so einfach ist.

Wagyu Ossobuco vs. normales Ossobuco

Wagyu Ossobuco vs. normales Ossobuco

Hier das selbe Spiel. Links Wagyu, Rechts “Normalu”

Rein von der Optik geht hier das Wagu-Beef 1:0 in Führung!

Was aber für den Konsumenten viel interessanter ist, ist der Geschmack. Dazu habe ich je Fleischsorte das selbe Gericht gekocht. “Na No Na Ned” habe ich Gulasch und Ossobuco zubereitet. Fein säuberlich habe ich die Gewürze (ich habe absichtlich nicht zu sehr gewürzt, um dem Fleisch eine Chance zu geben) und Zutaten jedes einzelnen Gerichtes abgewogen, die exakt gleichen Garzeiten angewendet, um ja keiner der Fleischsorten einen Vorzug zu geben. Das nennt man dann also “Stress beim Kochen”. Die Ergebnisse sehen jedenfalls wie folgt aus

Gulasch

Wagyu Gulasch vs. normales Gulasch

Hier dürft Ihr selber raten was nun was ist 😉

Ossobuco

Wagyu Ossobuco vs. normales Ossobuco

Wagyu Ossobuco vs. normales Ossobuco

Naaaa? Erkennt Ihr das süße kleine Wagyu-lein?

Geschmackserlebnis

Beginnen wir beim Gulasch. Farblich gesehen war das Wagyu eine Nuance dunkler. Geruch bei beiden ident. Geschmacklich war beim Wagyu – Gulasch eine größere Tiefe, es wirkte kräftiger – aromatischer, festzustellen. Während das “Normalu” schon weiter im Garpunkt war, war das Wagyu immer noch fester. Ein Unterschied in der Beschaffenheit der Fleischfasern, Wagyu gröber, war klar zu erkennen.

Kommen wir zu einem Punkt, bei dem nun einige schnell zur Klomuschel laufen solltem: Dem Knochenmark (wird auch nicht gewertet) 🙂 Ja was ist denn am Knochen das Schönste? Da ich kein Hund bin und Kauspaß brauche, liegt des Pudels Kern im Inneren des selbigen.

Auch hier überzeugt das Wagyu. Aufgestrichen auf frisches Bauernbrot, mit Salz und Pfeffer gewürzt, ist es ein Gaumenschmaus im Gegensatz zu dem doch etwas faderen Pendant.

Von daher

Geschmackspunkt an das Wagyu – Mungefühl an die Kuh Bertha

2:1 für das Wagyu – Rind. Man hätte den Fakt der Tiefe im Geschmack mit etwas mehr Raffinesse beim würzen, des herkömmlichen Rindes, locker auffangen können.

Kommen wir nun zum Ossobuco

Farblich kein Unterschied zu erkennen. Auch beim Geschmack hatte hier das Wagyu – Ossobuco die Nase vorne. Es wirkte kräftiger mit mehr Körper. Auch hier merkte man die unterschiedliche Beschaffenheit des Fleisches. Während das “Normalu Kuh” – Fleisch sich schon schön vom Knochen löste und somit weicher (zarter möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht sagen) war, war das Wagyu immer noch etwas anhänglicher an seinem Knochen.

Geschmack an das Wagyu – Mundgefühl wieder an unsere liebe Bertha

Es steht somit 3:2 für das Wagyu. Auch hier hätte man zum Einen mit anderer Garzeit und zum Anderen mit mehr Würze die Punkte anders verteilen können.

Preis

Hier liegt der Vorteil ganz klar beim gängigen Rind, da er alltagstauglich ist.

Endergebnis somit 3:3

FAZIT

Man kann die Qualität des Wagyu-Beef nicht leugnen, welche sich in einem runderen Geschmackserlebnis wiederspiegelt. Dagegen steht aber der nicht alltagstaugliche Preis, da ein Gulasch für 4 Personen so schon gerne mal auf 30 – 50€ anstatt 10€ kommt.

Wer also auf den Tisch hauen möchte, indem er seine Gäste mit japanischem Rind überrascht, bei dem Geld also keine Rolle spielt, dem sei Wagyu wärmestens empfohlen.

Dem Rest der kulinarischen Welt kann ich nur sagen: Qualität vor Quantität JA, aber nicht zu einem solchen Preis- / Leistungsverhältnis. Das Mehr an bezahltem Geld legt Ihr lieber in gute Gewürze an und verpasst somit der ollen Bertha den letzten Schliff, dass Onkel Hans und Tante Finchen freiwillig mit dem Kopf in Euren Kochtopf eintauchen wollen.

Abschließend möchte ich betonen, dass in meinem Beitrag die Schlachtung, Haltung, Fütterung, Schlachtung oder ähnliches keine Rolle gespielt haben.

Ich freue mich auf Eure Meinungen und / oder Erfahrungen zu diesem Thema!

 

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