ekelhaftgeht sosolide Hausmannskostgehobene Küche3 Sterne Rezept
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In diesen Tagen ist es ja geradezu HIPP Suppen, Saucen, Jus, etc selbst zu machen. Wer sich diesem Trend nicht beugt ist PFUI. Ich möchte hier darauf näher eingehen, warum ich auf diesen Zug nicht aufspringen werde / kann. Günstig Kochen ist etwas anderes.

Wenn man viel im World Wide Web unterwegs ist, dann kommen einem natürlich viele Rezepte oder Ideen zu Rezeptvorschlägen vor das gepflegte Foodie-Auge. Auch kommt man nicht umhin, sich den dadurch entstehenden Diskussionen zu entziehen. Am besten ist es, wenn man sich, bei so einer Reise durch die Postings, gleich mal Knabberzeugs und Getränke griffbereit an den Ort des Surfens stellt, denn es ist teilweise oft besser als jedes Kino!

Warum? Drücken wir es Neu-Deutsch aus: Es wird geflamed, gedisst, gehatet etc. was das Zeug hält, wenn sich jemand erdreistet Fertigprodukte in SEIN Rezept einzubauen. Vornehmlich bei Fix – Tüten, Fertig – Saucen und neuerdings auch bei Suppenwürfeln ist das der Fall.

Du musst die Sauce selber machen…!

Geht gar nicht…

Suppe macht man gefällig selbst…!

Pfui… Ekelhaft …

sind da nur die niedlicheren Ansagen der vermeintlichen “Kochprofis”.

Mach's Dir Selbst! - Der Trend alles selbst machen zu wollen

Doch was ist so verkehrt daran?

Klar…

  • man kennt sämtliche Inhaltsstoffe
  • der Geschmack ist meist um Welten besser

und dann hat es sich auch schon wieder! Denn es ist weder, wie ich gleich an einem Beispiel aufzeigen werde, günstiger, noch erkennt, wenn man richtig dosiert, der gutbürgerliche Esser den Unterschied kaum bis gar nicht. Das liegt daran, dass wir durch jegliche Art von industriell gefertigtem Food geschmacks-technisch versaut sind.

Wer kennt denn noch die alten Geschmäcker der alten Marken (die sich neu erfunden haben bzw das wollen) wirklich? Da nehmen wir als einfache Beispiele nur Orangenlimo, Vanilleeis, Erdbeerjoghurt, etc. her. Künstliche Aromen FTW sag ich da nur.

Auch sollte man sich die Mengen vor Augen halten, die man übers Jahr gesehen benötigen würde, da in so gut wie jedem Rezept Suppe / Brühe als Zutat vorkommt.

Und damit zum versprochenen Beispiel

Hier nehme ich gerne meine heißgeliebten Suppenwürfel her. Ob nun Rind, Gemüse oder Huhn ist komplett egal. Wer meine Rezepte kennt, der weiß, dass bei mir immer wieder so ein böser pöhser Brühwürfel in den Topf (ergo das Rezept) wandert. Und nicht nur weil mir die E – Nummern bzw Geschmacksverstärker so am Herzen liegen. Denn, wer sich gezielt informiert wird schnell feststellen, es geht auch ohne dieses Chemiezeugs!

Es geht einfach um die Faktoren

  • Geldersparnis
  • Zeitersparnis
  • Ressourcenschonung

Jetzt hat er einen kompletten Vogel!

Nur bedingt 😀 Man kann Suppenwürze auf viele erdenklichen Arten herstellen: ob nun als Nass-Gewürz im Einmachglas oder als getrocknete Variante spielt keine Rolle, denn sie haben eines gemeinsam: Sie sind um den Faktor X teurer, sind massiv Zeitaufwendig und, egal wie man es drehen mag, sie verbrauchen Unmengen an Strom, der für Heimverbraucher auch nicht gerade billiger wird.

Man könnte nun sagen

Ich hebe die Reste / Abschnitte von Gemüse immer auf und mache daraus mein Suppenpulver

Ja, kannst Du! Aber wo bewahrst Du den, provokant gesagt, Biomüll auf? Genau! Zumeist in im Tiefkühler. Und der braucht bekanntlich was? Strom. Zur Weiterverarbeitung brauchst Du was? Genau! Zeit und noch mehr Strom. Um Gläser für die Aufbewahrung vorzubereiten brauchst Du was? Zeit, Wasser und Strom. Und nun hast Du Dein Pulver getrocknet oder eingekocht, was brauchst Du? Richtig! Zeit, Wasser und Strom.

Schon alleine dieses Beispiel könnte man unendlich weiterspinnen. Kommen wir aber zur Fraktion der

Ich koche meine Suppen und Jus immer frisch

Du willst mir jetzt echt erklären, dass Du ständig frische Zutaten, wie z.B.: Rindfleisch – Knochen – Gemüse -etc. pp., kaufst, um dir den gerade benötigten halben Liter Brühe zu kochen? ECHT?

Achso… stimmt ja… Du frierst auf Vorrat ein! Rechne mir mal vor was Dich dann so ein halber Liter Brühe kostet. Danke! Vergiss nicht… Zutaten, Zeit, Strom (doppelt rechnen! Einfrieren & Kochen) und Wasser.

Geldersparnis

Man erspart sich absolut nichts! null, nada, niente, nüscht… Im Gegenteil.

Zeitersparnis

Gerade in unserer, von Stress dominierten, Zeit, sollte dieses, meist spärliche, Gut doch fast heilig sein und eher für andere Dinge verwendet werden. Denn man sollte sich immer vor Augen halten

  • Eine gute Brühe braucht Stunden um Gut zu werden
  • Ein Jus gleich nochmals länger
  • Die Trocknungszeit liegt bei 8 – 12 Stunden (!)
  • usw

Cool wenn Mutti oder Vati, anstatt mit der Familie zusammen zu sein, den ganzen Sonntag in der Küche steht. Mal abgesehen vom Sonntagsbraten, den sie /er uns sowieso unter die Nase zu stellen hat. Hat ja unter der Woche noch genug Zeit zum Ausruhen. Nach Job, Haushalt, Kinder und eventuell Tieren. (Ich hoffe man erkennt ein wenig meinen Sarkasmus?)

Ressourcenschonung

Wie ich in meinem Beispiel aufgezeigt hab steigt der Strom-  / Wasserverbrauch exponentiell zu dem Verbrauch, den wir normal hätten. Es handelt sich bei den verwendeten Gerätschaft ja immerhin um Geräte, die Strom im 4stelligen Wattbereich brauchen. Und das über Stunden!

FAZIT

Ich gebe den Leuten Recht, wenn sie sagen: Es ist doch um so vieles besser! Aber mir persönlich ist meine Freizeit, also die Zeit wo ich tun kann was ich gerne möchte (mich mit Freunden treffen, mit meinem Kind zu spielen, mit meinem Partner gemütlich einen Kaffee trinken, mich meinem Hobby widmen,…), um einiges wichtiger, als ein Schulterklopfen.

Wenn mal Suppe übrig bleibt, dann verwende ich die natürlich sehr gerne. Ich friere sie aber auch nicht ein, sondern mache mir gleich Gedanken, wie ich diese im nächsten Menü einbauen kann.

Auch kann ich mich nicht des Eindrucks erwähren, dass es sich bei diesen “Schreihälsen” auch um jene Personengruppe handelt, die ich in meinem Artikel Bio – Sinn oder Unsinn beschrieben habe.

Aber jeder muss, soll und darf entscheiden was für ihn / sie persönlich das Beste ist!

Was denkst Du? Vielleicht möchtest Du mir ja Deinen Standpunkt dazu in den Kommentaren mitteilen!?

 

Bis jetzt 6 Antworten

  1. Jelena sagt:

    Hi! 😀

    Finds interessant, mal jemanden zu lesen, der zu seiner Meinung steht, auch wenn es gegen den allgemeinen Trend geht. Und es ist natürlich jedem selbst überlassen, das ist ohnehin klar!

    Mir persönlich wird es unbehaglich, wenn ich die Zutaten und Inhaltsstoffe eines Produkts nichtmal kenne – geschweige denn, unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Klar spare ich mir Zeit und Strom etc., wenn ich einen Brühwürfel in mein Sößchen schmeiße, aber ist etwas so grundsätzliches wie Essen ernsthaft der Punkt, an dem ich sparen will? Und denkst Du wirklich, dass günstige Fertigprodukte unter “guten” Bedingungen hergestellt werden. Es ist natürlich ein Luxusproblem, sich über so etwas Gedanken zu machen, aber ich bin froh, den Luxus zu haben, Nestle und Co. zu boykottieren, Bio-Produkte kaufen zu können und zu wissen, was da durch meinen Körper geht.

    Ich weiß, dass Du a) einen Blog betreibst, bei dem es genau darum geht, günstig zu kochen, und ich b) leicht reden hab, denn Kinder und Haus hab ich nicht. Andererseits will ich mein Essen bewusst zubereiten und auch genießen – hab ich keine Zeit, reicht mir auch ein Brot vom Bäcker meines Vertrauens und ein Stückchen Käse dazu – Hauptsache der Wein ist lecker 😉

    Wohlgemerkt, ich bin niemand, der da allzu Dogmatisch ist. Für den Notfall hab ich gekörnte Brühe daheim, aber ich versuche, so etwas möglichst nicht einzusetzen. Künstliche Geschmäcker wie Erdbeerjoghurt und Limonaden schmecken mir ohnehin nicht, wenn ich auf die Inhaltsstoffe schaue. Oder ich habe es mir einfach erfolgreich abgewöhnt. Aber seit ich bewusster esse und koche, geht es mir viel besser. Fit, schlank, keine Allergien, nie krank. Es fällt mir schwer, das nicht mit meinem Lebenswandel in Zusammenhang zu sehen, denn früher war es anders.

    Ich bin essenstechnisch aber ohnehin eher Purist. Lieber wenig, dafür gut. Und da Kochen mein Hobby und eine Leidenschaft ist, stehe ich gerne mit Freunden in der Küche, süppele Wein und schaue der Brühe beim Simmern zu 😀

    • Herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar 🙂

      Leider ist das Thema, genau wie viele andere, sehr umfangreich und würde niemals Platz in einem einfachen Blogpost finden. Mit dem Suppenwürfel ist es so eine Sache… wenn man etwas liest, sich schlau macht, dann findet man gute Produkte abseits von Nestlé & Co, die dem selbstgemachten um nichts nachstehen. Freilich ist es auch hier eine Geldfrage.

      Natürlich versuche ich so gut wie ohne “Maria hilf” auszukommen, jedoch fehlt ab und an der Ticken “Suppengeschmack” 😉 Ich würde dafür aber niemals diesen Aufwand betreiben.

      Für mich ist es so: Es ist schön zu wissen, dass es das gibt, es machbar ist (habe es auch schon selbst probiert), aber für mich ist es den Aufwand nicht wert, da ich mich auch Abseits der Küche noch gerne herumtreibe *grins*

  2. Hallo!
    Oh da hast Du aber ein weites Feld angerissen. Das schon einmal vorab. Zwei ganz einfache Dinge sind mir bei dem Thema wichtig und darum schreibe ich sie zuerst:
    1. Niemand sollte sich entschuldigen oder gar rechtfertigen müssen, weil er oder sie aus Kostengründen, Zeitgründen oder sonstigen Gründen auf Fertigprodukte zurückgreift.
    2. Mich stört dieser Trend der “ach so heiligen Kochkultur im Netz” gewaltig, die so intolerant ist, dass nur noch die eigenen Werte zählen. Soll doch jeder so kochen dürfen, wie er oder sie will. Man kann ja Rezepte, die von der Idee her toll sind, auf seine eigene Art abwandeln.
    Nun noch zu mir. Ich selber mag es auch sehr gerne, auf meine eigenen Sachen zurückzugreifen. Also Brühpulver, Marmelade und Co zu machen ist tatsächlich wesentlich aufwändiger als sie fertig zu kaufen. Da hast Du vollkommen Recht, aber trotzdem mache ich mir ab und zu die Arbeit. Ich koche halt gern meine eigenen Sachen. Dennoch habe ich z. B. für Notfälle auch ein gutes Fertigprodukt im Schränkchen. Warum auch nicht?
    Kleiner Tipp am Rande man kann auch gut mit Partner und Kindern in der Küche arbeiten. Ich muss allerdings zugeben, dass meine beiden Söhne dies mittlerweile nicht mehr gerne machen ?.
    Ich würde mir wieder eine gute Umgangskultur in der Kommunikation im Netz wünschen.
    LG Gabi

  3. Hallo Franz
    da hast du aber ein heisses Eisen im Feuer. Ich finde es ist doch jedem seine eigene Sache ob er zu Tütchen und Würfeln greifen will oder nicht. Deine Argumente sind sehr trefflich, denn es war ja auch damals als das Zeug aufkam ein Grund dafür. Und? Leben wir noch? Kann man mit Ja beantworten oder? Wenn das “Zeug” so schädlich ist wie manche Menschen es darstellen, dann frage ich mich, wie wir die letzten fünfzig bis hundert Jahre überleben konnten. Unsere Eltern sind doch alle voll abgefahren auf das Zeug und es gab kein Tag in dem nicht irgend ein Fertigproduckt verwendet wurde.
    Ich persönlich koche viel mit Gewürzen und mache auch Gewürzmischungen selber, wenn ich aber in meinen Menu Kreationen alle Gewürze aufzählen würde, wäre das für viele gar nicht nach zu kochen. Natürlich greife ich auch manchmal zu Fertigprodukte vor allem wenn es schnell gehen muss. Es gibt auch Produkte die gar nicht ersetzt werden können und dann muss man halt auf Tütchen zurückgreifen oder es braucht so wenig davon, dass es sich nicht lohnt zu kaufen.
    Mein Motto: Leben und leben lassen. Den einen passt es und den andern nicht aber warum wird immer versucht den anderen die eigene Meinung aufzuzwingen.
    Es steht jeden Tag einer auf der aus lauter Langweile in irgend einem Produkt irgend etwas schädliches findet und wenn man hinter die Schlagzeile schaut, muss man feststellen, das man Unmengen davon verzehren müsste damit eine Wirkung eintritt.
    LG Maeni

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