Rezept Ein Leben am & über dem Mindesthaltbarkeitsdatum
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Ein Leben am & über dem Mindesthaltbarkeitsdatum

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Erfahre was es mit (m)einem Leben am und über dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu tun hat bzw wie ich über einen künstlich verkürzten Lebenszyklus von Lebensmitteln denke. Meine 3 G's: Geschaut, Gerochen, Geschmeckt

So oder so ähnlich könnte man meine grundlegende Lebenseinstellung benennen. Doch was heißt das genau?

Für mich heißt das, dass ich gerne und häufig Lebensmittel kaufe, die sehr nahe am sogenannten MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) – exakt darauf oder sogar darüber sind und erst später verzehre. Oft noch Wochen nach diesem ominösen Verfallsdatum, zudem ich mir schon „meine Gedanken zum Mindesthaltbarkeitsdatum“ gemacht habe. Von daher gehe ich hier gar nicht so auf diesen künstlich verkürzten Lebenszyklus von Genussmitteln aller Art ein.

Es liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Sicherheit daran, dass ich zwar eine wunderschöne Kindheit (wie eigentlich jedes Gör der 60er / 70er und auch noch 80er) verleben durfte, dort schloss ich allerdings auch mit kulinarisch fragwürdigen Genussmomenten wie zum Beispiel Sand aus der Sandspielkiste, bräunlich grauem Wasser aus Pfützen (wir Österreicher sagen dazu auch gern „Ladschn“ (Lacke / Lache), Matsch von irgendwelchen Wiesen auf denen ich herumgekugelt bin, Wurmsushi, usw… es aber ansonsten kulinarisch nicht so prickelnd war.

Wie auch? Mutter war immer damit beschäftigt in irgendeiner Form Geld zu verdienen, wie es leider Gottes vielen alleinerziehenden Müttern erging / ergeht / ergehen wird, damit wir über die Runden kamen und auch ein Dach über dem Kopf hatten. Außerdem war sie im Zweitberuf ja auch noch Mutter / Kindermädchen / Raumpflegerin / Alleinunterhalterin (Fernsehen rund um die Uhr gab es genau so wenig wie die Möglichkeit 24 Stunden zu shoppen), doch Köchin hat ihr nie so wirklich gefallen. Schnell musste es gehen und billig, da schon damals nach Abzug von Miete und Co so gut wie nichts übrig geblieben ist.

Das heißt jetzt aber nicht, dass wir nur Müll zu essen bekamen, aber es wurde auch schon damals sehr auf Angebote und teils reduzierte Ware geachtet. Warum aber nur teils? Es gab anno dazumal gar nicht so viel Ware, die irgendwie ablaufen und somit reduziert werden hätte können, da einfach keine solche Überproduktion stattgefunden hat wie in den heutigen Tagen der 2020er.

Hat zwar jetzt nichts mit dem Leben übern MHD zu tun, aber das muss ich Dir erzählen

Eben wegen der nicht wirklich ausgeprägten Leidenschaft in der Küche entwickelte meine Mutter ihre, bis heute perfektionierte, Schütttechnik. Es geht hier also nicht 2 Esslöffel hiervon, 1 Teelöffel davon und von dem da noch 100 Milliliter, sondern… 1x Schütt hier… 1x Schüüüüütt dort und 1x KlugKlugKluuuug von dem da.

Mein Leben am und über dem Mindesthaltbarkeitsdatum - Meine 3 G's: Geschaut, Gerochen, Geschmeckt

Und wenn man sie dann mal jemand nach einem Rezept fragte: „Ich koch‘ nur nach Gefühl“. Dieses Gefühl lässt sie dann schon mal zu Grieß anstatt zu Mehl greifen und dabei einen Grießkuchen erfinden. Ich liebe meine Mutter eben wegen solcher Dinge und nicht nur wegen der Tatsache, dass sie mich Euch vor die Nase gesetzt hat.

Jedenfalls hat mich eben das Leben mit meiner Mutter gelehrt, dass Geld nicht auf Bäumen wächst, ein Tier nicht zum Spaß sterben sollte und man es daher aufzuessen hat (egal ob es weniger emotionale Zuwendung und ob man es bis ins Nirvana gestreichelt hat), Lebensmittel nicht automatisch zu Staub zerfallen wenn das Datum auf der Verpackung kleiner als das auf dem Kalender ist und dass 1x Schüüüütt plus 3x Krack Krack und 1x KlugKluuug Palatschinkenteig ergibt ^^

Wie es eigentlich immer passiert bin ich jetzt ein wenig ins Plappern gekommen und habe Dich hoffentlich nicht gelangweilt!?

Warum mache ich das aber noch heute so?

Vieles habe ich bereits oben erklärt, aber es gibt dann noch den Umstand, dass mein Leben eher einer Achterbahnfahrt als dem einer gemütlichen Wanderung ähnelt. Somit gab und gibt es immer wieder mal finanzielle Höhen und Tiefen, die häufig auf meine nicht mehr zu 100% vorhandene Gesundheit zurückzuführen sind oder weil ich einfach doof bin.

Ich will aber partout nicht auf Genuss / gutes Essen verzichten und schon wären wir an dem Punkt angelangt warum ich das Projekt GÜNSTIG KOCHEN gegründet habe.

Du kannst davon ausgehen, dass zum Beispiel Fleisch, welches ich für meine Rezepte verkoche, „abgelaufen“ ist. Auch Gemüse ist nicht immer im Zustand eines Penthouse Covergirls und Reis, Nudeln & Co feiern oftmals schon ihr mehrjähriges Jubiläum über dem Verfallsdatum. Das liegt einfach daran, dass gewisse Lebensmittel nicht „schlecht“ werden können.

Was unterscheidet mich sonst noch vom Rest der Foodblogger / Mitmenschen? Ich schäme mich mittlerweile nicht mehr meinen Einkaufswagen mit Produkten, die die großen Preisreduktionsaufkleber tragen, vollzustopfen. Im Gegenteil! Meist stehe ich mit Stolz geschwellter Brust am Kassenband und fülle es mit meinen Schätzen.

Früher warf man mir dabei in meinem Umfeld mitleidige Blicke zu, die sich mittlerweile zu oft neidischen Blicken gewandelt haben, da man es selbst übersehen oder gar nicht gesehen hat. Anscheinend haben die letzten 5 Jahr meines Wirkens ihr Ziel nicht verfehlt.

Abschließend für all jene, due immer mit der Tiermitleidskeule daherkommen und meinen:

„Jaaaaa, das ist pöhses Supermarktfleisch, das darf man nicht kaufen, usw“

Das Tier ist bereits gestorben und egal was, wie und warum: Es hat nicht verdient ungeachtet / missachtet in der Mülltonne zu landen!

Kaufst Du Lebensmittel am oder über dem Mindesthaltbarkeitsdatum? Warum? Ich würde mich freuen, in den Kommentaren dieser Seite, Deine Geschichte zu hören!

Mahlzeit

  • VERÖFFENTLICHT
    05/2021
  • ZUGRIFFE
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